Contracting und Finanzierung

Pro2 betreibt Deponiegasanlagen in Frankreich



In Mülldeponien entstehen Tag für Tag große Mengen an Methan. Würden diese in die Atmosphäre gelangen, hätte dies fatale Folgen für das Klima. Methan ist zwar farblos, aber keineswegs harmlos. Das Gegenteil ist der Fall. Methan absorbiert wie Kohlendioxid infrarotes Licht und verhindert so, dass die durch die Sonne eingestrahlte Wärme wieder in den Weltraum abgegeben werden kann. Deponiegasanlagen wandeln methanhaltiges Gas in Energie um. Der nachfolgende Bericht beschreibt, wie die Pro2 Environnement, Tochtergesellschaft der deutschen Pro2 Anlagentechnik GmbH, mit verschiedenen Deponiegasanlagen in Frankreich wertvolle Beiträge zur ressourcen- und klimaschonenden Deponiegasnutzung leistet. Es handelt sich hierbei um erste Pro2-Projekte dieser Art in Frankreich, denen weitere folgen werden.

Methan ist ein viel stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid und trägt rund 21mal so stark zur globalen Erwärmung bei wie Kohlendioxid. Wissenschaftler haben festgestellt, dass der Methanpegel der Atmosphäre rund zweieinhalb mal so hoch ist wie noch vor der industriellen Revolution. Methan ist mittlerweile für rund ein Fünftel des vom Menschen verursachten Treibhauseffektes verantwortlich. Deshalb ist die Umweltrelevanz von Deponiegasanlagen zur Umwandlung der methanhaltigen und damit klimaschädlichen Gase in Energie unbestritten.
Methanhaltiges Deponiegas entsteht durch biochemische Prozesse im eingelagerten Deponiemüll. Der Gesetzgeber in Frankreich – genauso wie in Deutschland - hat die Betreiber von Mülldeponien verpflichtet, Deponiegase zu erfassen und zu entsorgen. Damit wird die wirtschaftliche und umweltverträgliche Nutzung zur Gewinnung von Energie unterstützt.

Deponiegase wurden vorher nicht genutzt

Die Idee für eine Deponiegasanlage in der von der französischen Firma Arcavi in Eteignieres betriebenen Deponie war schon länger vorhanden. Denn vorher wurden die austretenden Deponiegase abgefackelt und konnten nicht zur Strom- und Wärmeproduktion genutzt werden. Vor dem Jahrtausendwechsel waren die Einspeisevergütungen in Frankreich auch gar nicht bzw. nur sehr unzureichend gegeben. Auf der Basis einer ab 2001/2002 besseren Vergütungssituation bestätigten Studien die Wirtschaftlichkeit einer Deponiegasanlage. Diese wurde von Arcavi ausgeschrieben, Pro2 Environnement gewann die Ausschreibung mit einem Contractingmodell und konnte hierbei ihre fundierten Erfahrungen in diesem Bereich in die Waagschale werfen.

Nach einer längeren Projektentwicklungsphase wurde die Anlage im April 2007 geliefert und in Betrieb genommen. Verwertet werden die Deponiegase aus dieser mittelgroßen Deponie mit 80.000 t Abfall pro Jahr. Hieraus werden Deponiegase in einem Motor mit einer Leistung von knapp einem MW genutzt. Noch in 2008 soll ein zusätzlicher Motor von 500 kW installiert werden. Die Vergütung von 7,5 bis 9 Cent pro kWh regelt ein neues Gesetz, welches in Frankreich quasi als Pendant zum deutschen „Erneuerbare Energien Gesetz“ etabliert wurde. Wird auch die Wärme des Motors genutzt, so werden bei einem Wirkungsgrad von 40 bis 75 % weitere bis zu 3 Cent pro kwh gezahlt. Ein Teil der Wärme wird für die Aufbereitung des Sickerwassers verwendet. Darüber hinaus gibt es die Idee, die Wärme in Zukunft in ein entstehendes Industriegebiet zu liefern. Die installierten BHKW sind mit Wärmetauscher ausgestattet – ein Modell auch für andere Deponiegasanlagen. Eine Gasreinigung wegen der verschlechterten Gasqualität soll in Kürze eingesetzt werden.

Verschiedene Contracting-Konzepte

Pro2 betreibt die Anlage komplett und in Eigenregie. Service und Wartung wurden zunächst vom Willicher Hauptsitz der Pro2 in Deutschland via Telecontrol realisiert. Seit Februar 2008 ist nun ein Techniker ständig präsent, der auch andere Anlagen betreut.

Weitere vergleichbare Anlagen betreibt Pro2 in Nimes und Monistrol. Die Deponie in Nimes ist seit drei Jahren nicht mehr in Betrieb. Installiert sind dort derzeit zwei Motoren mit einer Leistung von 700 kW, in fünf Jahren wird dann ein Motor zurückgenommen. Diese flexible Reaktion auf sich ändernde Gasverhältnisse ist nur möglich durch die Containerbauweise der Pro2-BHKW. Containeranlagen können so binnen weniger Stunden ausgetauscht werden.

In Monistrol soll die Wärme zur Beheizung von Gebäuden genutzt werden, unter anderem für ein geplantes Schwimmbad. Der Betreiber der Anlage in Monistrol ist am Contracting beteiligt und übernimmt kleinere Wartungsarbeiten wie Ölwechsel und Zündkerzenwechsel selbst. Diese Deponie wird noch mindestens zehn Jahre betrieben.

Erneuerbare Energien Wachtumsmarkt in Frankreich

Pro2 in Frankreich verfügt nun mittlerweile über mehrere Mitarbeiter aus den Bereichen Vertrieb und Service, die diesen wachstumsstarken Markt weiter entwickeln sollen. Denn obwohl noch mehr als 80 % der Stromproduktion in Frankreich aus der Kernenergie gewonnen wird, so bekommen Erneuerbare Energien aus wirtschaftlichen, politischen und ökologischen Gründen auch in Frankreich zusehends größere Bedeutung. Das mit dem deutschen EEG vergleichbare Gesetz in Frankreich, welches die Vergütung regelt, ist seit 2006 in Kraft. Bisher betreibt Pro2 in Frankreich 15 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 20 MW in den Bereichen Deponie-, Klär- und Biogas. Mit dieser Erfahrung ist Pro2 in Frankreich einer der bekanntesten und profiliertesten Akteure.

Alleinstellungsmerkmal von Pro2 ist die Entwicklung und Lieferung von Komplettpaketen zur Gasnutzung mit Verdichter und Trafostation sowie das Management des anspruchsvollen Abstimmprozesses inclusive Kommunikation mit Energieversorgern, Umweltbehörde und weiteren Institutionen. Dieses Know-how, auch komplexe Verfahren mit Gaseinspeisung und Support sicherstellen zu können, ist eine wesentliche Grundlage für den Erfolg von Pro2 in Frankreich.

Marktführend beim Deponiegas

Die Anlagen in Frankreich gehören zu den 40 Anlagen weltweit, die Pro2 in Eigenregie betreibt. Die Pro2 Anlagentechnik GmbH steuert ihre nationalen und internationalen Aktivitäten von Willich am Niederrhein, in der Nähe von Düsseldorf. Mit den Anlagen und Dienstleistungen des 1994 gegründeten Unternehmens wird regenerative Energie erzeugt und damit ein wichtiger Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels geleistet.

Pro2 ist eines der marktführenden europäischen Unternehmen bei der Entsorgung, Aufbereitung und Nutzung von Deponiegas. Die von Pro2 entwickelten Anlagenkonzepte in Containerbauweise sind modular, flexibel und kostengünstig. Sie haben sich speziell im Deponiegasbereich bewährt. Ein Beispiel: Bei veränderten Gasmengen und/oder -qualitäten können Containeranlagen innerhalb weniger Stunden ausgetauscht werden.

Seit dem Ende der 90er Jahre hat sich Pro2 zu einem der führenden Systemhersteller in den Bereichen Dezentraler Energietechnik und Bioenergie mit stark internationaler Ausrichtung entwickelt. Die Kernkompetenz von Pro2 liegt in der Entwicklung und dem Bau von schlüsselfertigen Anlagen zur Energieversorgung, Gasbehandlung und Gasnutzung. Das Produktprogramm umfasst Blockheizkraftwerke (BHKW) und Systeme zur Biogas-, Klärgas-, Grubengas- und Deponiegasnutzung. Pro2 beschäftigt 140 Mitarbeiter in Deutschland sowie in den Niederlassungen in Frankreich, England, Spanien, Ungarn, Belgien und Thailand. In 2007 wurde ein Umsatz von rd. 40 Millionen Euro erreicht
arcavi

Pro2 installiert 943 kWel im Containerbauweise mit integrierter Verdichterstation.